Altstadt von Biel/Bienne mit Jura im Hintergrund – zweisprachige Immobilienvermarktung

Wer eine Liegenschaft in Biel nur auf Deutsch ausschreibt, spricht einen grossen Teil des Marktes gar nicht erst an. In Biel/Bienne haben Ende 2024 rund 44 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Französisch als Verwaltungssprache gewählt – und der Anteil steigt seit Jahren.

Das betrifft nicht nur die Stadt selbst. Auch in Nidau, Port oder Brügg ist ein spürbarer Teil der Bevölkerung französischsprachig. Für Eigentümerinnen und Eigentümer, die verkaufen möchten, ist das keine Frage der Höflichkeit, sondern eine Frage der Reichweite und damit der Verhandlungsposition.

Kurz erklärt: In Biel und mehreren Nachbargemeinden ist ein erheblicher Teil der möglichen Käuferschaft französischsprachig. Eine Vermarktung, die nur auf Deutsch stattfindet, verkleinert den Kreis der Interessenten – und damit die Chance auf einen guten Abschluss. Zweisprachig vermarkten heisst vor allem: Gespräche, Besichtigungen und Verhandlungen in der Sprache der Interessenten führen und Texte nicht einfach maschinell übersetzen.

Wie zweisprachig ist Biel wirklich?

Biel/Bienne und Leubringen/Evilard sind die beiden Gemeinden im Kanton Bern, in denen Deutsch und Französisch gleichberechtigte Amtssprachen sind. Im Verwaltungskreis Biel/Bienne gelten beide Sprachen auch im Verkehr mit den kantonalen Behörden.

Die Stadt Biel erfasst, welche Sprache ihre Einwohnerinnen und Einwohner für den Verkehr mit der Verwaltung wählen. Die Entwicklung ist klar:

Auch in Leubringen/Evilard sind beide Sprachgruppen stark vertreten: Die Gemeinde verfasst wichtige Dokumente in beiden Amtssprachen, und im Ortsteil Leubringen sind die Sprachgruppen laut Gemeinde ungefähr hälftig verteilt. Für die Vermarktung in Biel und am Hang darüber heisst das: Französischsprachige Käuferinnen und Käufer sind keine Randgruppe, sondern ein wesentlicher Teil der Nachfrage.

Hört die Zweisprachigkeit an der Stadtgrenze auf?

Nein. Das Forum für die Zweisprachigkeit hat im Auftrag des Rats für französischsprachige Angelegenheiten (CAF) und des Vereins seeland.biel/bienne erhoben, wie sich die Sprachsituation in den Gemeinden der Region entwickelt. Die 2025 vorgestellten Resultate zeigen:

Dazu kommt die Lage: Neuenburg ist von Biel mit dem Zug in rund 15 bis 20 Minuten erreichbar, der Berner Jura beginnt unmittelbar oberhalb der Stadt. Wer in der Romandie arbeitet oder dort verwurzelt ist, findet in Biel, Port oder Brügg eine Wohnlage mit kurzen Wegen in beide Richtungen.

Was bedeutet das konkret für die Vermarktung?

Das Inserat: der erste Eindruck

Titel und Beschrieb entscheiden über den ersten Klick. Wer auf Französisch sucht und liest, reagiert auf einen Text in seiner Sprache anders als auf einen rein deutschen Beschrieb. Ein nur deutsch verfasstes Inserat signalisiert unterschwellig: Sie sind nicht gemeint. Gerade in einem Markt, in dem fast die Hälfte der Stadtbevölkerung Französisch als Verwaltungssprache gewählt hat, ist das ein vermeidbarer Nachteil.

Die Dokumentation: Zahlen sind sprachneutral, Begriffe nicht

Grundrisse, Flächen und Kennzahlen versteht man in jeder Sprache. Bei den Begriffen dahinter wird es anspruchsvoller, denn die Fachsprache der Romandie ist keine wörtliche Übersetzung:

Welche Unterlagen für einen Verkauf ohnehin bereitstehen sollten, haben wir im Beitrag zu den Unterlagen für den Immobilienverkauf zusammengestellt.

Gespräch und Besichtigung: dort fällt der Entscheid

Entscheidend ist ohnehin nicht das Inserat, sondern das Gespräch. Besichtigungen führt man in der Sprache, in der Menschen Entscheidungen treffen – und das ist selten die Zweitsprache. Wer Fragen zu Zustand, Nebenkosten oder Umbaumöglichkeiten in seiner Muttersprache stellen kann, fragt genauer nach und fasst schneller Vertrauen. Noah Schärer ist in Biel und Nidau aufgewachsen und spricht Deutsch und Französisch. Gespräche, Besichtigungen und Verhandlungen führen wir deshalb auch auf Französisch.

Verhandlung und Kaufvertrag

Auch in der Verhandlung zählt Präzision. Missverständnisse über Übergabetermin, Zubehör oder Zahlungsmodalitäten entstehen leichter, wenn eine Seite in der Zweitsprache verhandelt. Im Verwaltungskreis Biel/Bienne sind Deutsch und Französisch gleichberechtigte Amtssprachen. In welcher Sprache der Kaufvertrag öffentlich beurkundet wird, klären Sie am besten früh mit dem Notariat.

Warum lohnt sich ein grösserer Interessentenkreis?

Jede zusätzliche ernsthafte Interessentin, jeder zusätzliche ernsthafte Interessent verbessert die Verhandlungsposition des Verkäufers. Bei zwei Interessenten diskutiert man über den Preis. Bei sechs diskutieren die Interessenten untereinander.

Zwei Einschränkungen gehören zur ehrlichen Einordnung:

Warum reicht eine maschinelle Übersetzung nicht?

Zweisprachig heisst nicht maschinell übersetzt. Übersetzungsprogramme sind heute gut, aber sie treffen den regionalen Fachwortschatz und den Ton nicht immer. Ein Beschrieb, dem man das Übersetzungstool ansieht, wirkt auf französischsprachige Leserinnen und Leser schnell unsorgfältig – und Unsorgfalt im Text überträgt sich in der Wahrnehmung auf die Liegenschaft und auf den Verkaufsprozess.

Ob und in welchem Umfang Inserat und Verkaufsdokumentation zusätzlich auf Französisch aufbereitet werden, besprechen wir mit Ihnen im Einzelfall. Klar ist: Die persönlichen Kontakte mit französischsprachigen Interessenten führen wir selbst in ihrer Sprache. Mehr zu unserem Vorgehen beim Immobilienverkauf finden Sie auf der entsprechenden Seite.

Fazit

In Biel und seinen Nachbargemeinden ist ein wesentlicher Teil der Käuferschaft französischsprachig, und der Anteil wächst. Wer nur auf Deutsch vermarktet, verzichtet auf Reichweite und damit auf Verhandlungsspielraum. Zweisprachig zu vermarkten bedeutet vor allem, Interessenten in ihrer Sprache abzuholen – im Text, vor allem aber im Gespräch und bei der Besichtigung.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen in Biel sprechen Französisch?

Ende 2024 haben 44,4 Prozent der Bieler Bevölkerung Französisch als Verwaltungssprache gewählt, ein Jahr zuvor waren es 43,9 Prozent. Der Anteil steigt seit Jahren. Die Verwaltungssprache sagt allerdings nichts darüber aus, wie viele Menschen im Alltag beide Sprachen sprechen.

Welche Gemeinden im Kanton Bern sind offiziell zweisprachig?

Offiziell zweisprachig sind die Gemeinden Biel/Bienne und Leubringen/Evilard. Im Verwaltungskreis Biel/Bienne sind Deutsch und Französisch zudem Amtssprachen im Verkehr mit den kantonalen Behörden. Andere Seeländer Gemeinden sind amtlich deutschsprachig, auch wenn dort viele Französischsprachige wohnen.

Lohnt sich eine zweisprachige Vermarktung auch ausserhalb von Biel?

In vielen Fällen ja, vor allem in Nidau, Port und Brügg sowie in Gemeinden an der Grenze zum Kanton Neuenburg. Dort ist der Anteil Französischsprachiger laut einer Erhebung des Forums für die Zweisprachigkeit deutlich. In Gemeinden mit sehr kleinem französischsprachigem Anteil lohnt sich eine Abwägung im Einzelfall.

Kann ich den Verkauf auch auf Französisch abwickeln?

Gespräche, Besichtigungen und Verhandlungen führen wir auf Wunsch auch auf Französisch. In welcher Sprache der Kaufvertrag beurkundet wird, legt das Notariat fest; das sollten Sie früh klären. Im Verwaltungskreis Biel/Bienne sind beide Sprachen gleichberechtigte Amtssprachen.

Quellen und weiterführende Informationen

Verkauf in Biel und Umgebung planen

Sie möchten eine Liegenschaft in Biel, Nidau, Port oder Brügg verkaufen und alle möglichen Käufergruppen erreichen? Wir besprechen mit Ihnen Preis, Zielgruppen und Vorgehen – auf Deutsch oder auf Französisch.

Über den Autor: Noah Schärer ist Inhaber und Geschäftsführer der Schärer Immobilien AG in Lyss. Der Betriebsökonom FH mit Hintergrund im Banking hat einen CAS in Immobilienbewertung, ist Mitglied des Schweizerischen Immobilienschätzer-Verbands (SIV) und begleitet Eigentümerinnen und Eigentümer im Berner Seeland bei Verkauf, Bewertung und Finanzierungsfragen.